Die Auromatic erklärt: Wie aus Stereo ein natürlicher Gänsehaut-Effekt wird
Wenn der Effekt glaubwürdig bleiben soll
Genau solche Momente machen 3D-Sound spannend. Die eigentliche Kunst besteht aber nicht darin, möglichst viele Geräusche auf möglichst viele Lautsprecher zu verteilen. Sie besteht darin, dass das Ergebnis glaubwürdig bleibt.
Das war der Leitgedanke bei der Entwicklung der Auromatic, dem Upmixer von Auro-3D. Er kann vorhandene Tonquellen für ein räumliches Lautsprechersystem aufbereiten, auch wenn sie ursprünglich nicht als 3D-Ton produziert wurden. Im Gespräch auf der Tonmeistertagung 2021 haben wir mit ihrem Erfinder Ralph Kessler darüber gesprochen, woher die Idee stammt, was im Algorithmus passiert und warum der beste Effekt oft erst auffällt, wenn man ihn ausschaltet.
GROBI und Auro-3D – seit über 15 Jahren eng verbunden
GROBI ist seit 15 Jahren vorführbereiter Fachhändler für Auro-3D und die Auromatic. Mit Wilfried van Baelen, dem Erfinder von Auro-3D, pflegen wir eine enge und langjährige Zusammenarbeit – gemeinsam mit ihm haben wir Auro-3D als Erste in Deutschland unseren Kunden vorgestellt und vorgeführt. Die Auromatic können Sie jederzeit live in unseren GROBI Studios erleben.
Ralph Kessler im Gespräch über die Auromatic
Das vollständige Gespräch mit dem Erfinder der Auromatic, aufgezeichnet auf der Tonmeistertagung 2021.
Vier Punkte zur Auromatic
Die Auromatic erweitert vorhandene Tonquellen für räumliche Lautsprechersysteme, ohne aufdringlich klingen zu sollen.
Prägnante Stimmen bleiben vorn, während geeignete Hintergrundanteile zusätzliche Räumlichkeit schaffen.
Die Abstimmung mit Musik und das Vermeiden hörbarer Artefakte waren zentrale Entwicklungsziele.
3D-Mischungen für Lautsprecher funktionieren über Kopfhörer nicht automatisch genauso überzeugend.
Der Ausgangspunkt: Klang soll Emotion auslösen
Ralph beschäftigt sich seit den 1980er-Jahren mit virtueller Akustik und der Frage, wie sich der Klang eines Konzertsaals natürlich reproduzieren lässt. Sein Maßstab ist dabei erstaunlich einfach: Stellt sich beim Hören Gänsehaut ein?
Schon früh interessierte ihn die Wiedergabe aus mehr als zwei Richtungen. Bei einer Quadrophonie-Anlage kommt der Schall nicht nur von vorn, sondern auch von hinten. Das kann einen Raum anders erfahrbar machen als reines Stereo. Später wurde 5.1 für Film und Musik zum vertrauten Mehrkanalformat. Doch auch damit bleiben die Lautsprecher im Wesentlichen auf einer Ebene. Höhenlautsprecher ergänzen diese Ebene um eine weitere Dimension.
Das allein reicht natürlich nicht. Lautsprecher an der Decke erzeugen noch keinen überzeugenden 3D-Sound. Es braucht geeignete Produktionswerkzeuge und eine Antwort auf die praktische Frage: Was passiert mit all der Musik und all den Filmen, die bereits existieren?
Warum Auro-3D einen Upmixer brauchte
Ralph und Wilfried van Baelen fanden über die Pro-Audio-Welt zueinander. Auf Fachtreffen und Konferenzen wurde schon früh über Höhenlautsprecher diskutiert. Wilfried erkannte, dass sich eine neue Wiedergabetechnik nicht allein auf eigens produzierten 3D-Content stützen konnte. Wenn räumlicher Klang im Studio, im Auto und zu Hause eine Rolle spielen sollte, musste sich auch vorhandenes Material sinnvoll nutzen lassen.
Daraus entstand die Auromatic. Für die Produktion gibt es eine Studioversion; für die Wiedergabe wurden Consumer-Versionen entwickelt. Gemeinsam ist ihnen das Ziel, aus dem vorhandenen Signal zusätzliche Räumlichkeit zu gewinnen, ohne die ursprüngliche Aufnahme mit einem aufdringlichen Effekt zu überdecken.
Das unterscheidet Ralphs Ansatz von Upmixern, die Stimmen oder Instrumente deutlich nach hinten verschieben oder den Klang mit hörbaren Echos aufblasen. Seine Faustregel gefällt uns besonders gut: Wenn die Auromatic eingeschaltet ist, soll sie nicht ständig auf sich aufmerksam machen. Schaltet man sie aus, soll etwas fehlen.
Als vorführbereiter Auro-3D-Fachhändler mit direkter Anbindung an Wilfried van Baelen wissen wir, worauf es bei der Auromatic ankommt. Kommen Sie einfach in unsere Studios in Kaarst und hören Sie sich den Unterschied live an – mit und ohne Auromatic.
Was die Auromatic mit dem Tonsignal macht
Vereinfacht gesagt unterscheidet der Algorithmus zwischen Vordergrund und Hintergrund. Ein prägnantes Ereignis, etwa eine Stimme, soll seine klare Position vorn behalten. Räumliche Anteile des Signals können dagegen auf weitere Lautsprecher verteilt werden. So entsteht mehr Größe und Umgebung, ohne dass plötzlich jede Stimme aus einem Höhenlautsprecher kommt.
Das ist ein wichtiger Punkt: Ein Upmixer soll nicht wahllos alles nach oben kopieren. Er muss entscheiden, welche Anteile sich für die räumliche Erweiterung eignen und wie stark sie eingesetzt werden. Ralph vergleicht das Abstimmen des Algorithmus mit dem Würzen beim Kochen. Entscheidend ist nicht nur, welche Zutaten vorhanden sind, sondern auch ihre Dosierung.
Für diese Arbeit entwickelte er zeitbasierte Algorithmen und stimmte zahlreiche Parameter über Jahre hinweg mit einer großen Musiksammlung ab. Musik war dabei besonders wichtig, weil ein Effekt, der in einer spektakulären Filmszene beeindruckt, bei einem vertrauten Lied schnell künstlich wirken kann.
Auch Artefakte mussten vermieden werden. Damit sind unerwünschte hörbare Nebenwirkungen der Signalverarbeitung gemeint, etwa Veränderungen, die feine Klangdetails unnatürlich erscheinen lassen. Ein räumlicher Gewinn ist wenig wert, wenn er die Natürlichkeit der Aufnahme kostet.
Warum Hören mehr zählt als ein Messwert
Messungen helfen bei der Entwicklung, aber sie entscheiden nicht allein über das Ergebnis. Ralph hat nach der technischen Grundentwicklung weitergehört, verglichen und abgestimmt, bis ihm der Klang musikalisch gefiel. Gerade im Auto mit seinen besonderen Sitzpositionen und Lautsprecherplätzen muss jemand tatsächlich hineinsitzen und hören. Ein Messgerät kann diese Beurteilung nicht vollständig ersetzen.
Von Musik bis Film: Wo der Effekt überzeugen muss
Bei Musik zeigt sich besonders schnell, ob ein Upmixer zu viel des Guten tut. Die Auromatic soll eine Aufnahme öffnen, ohne ihren Charakter zu verändern. Dass sie auch bei anspruchsvollen Musikhörern Anklang fand, war für Ralph deshalb ein wichtiges Kompliment. Sie lässt sich zudem abschalten. Niemand muss den Effekt für jede Aufnahme gleich gut finden.
Im Film darf es gelegentlich spektakulärer werden. Wenn ein Objekt über den Raum zieht oder eine Szene eine klare Höheninformation nahelegt, kann eine passende Wiedergabe enormen Spaß machen. Solche Beispiele zeigen, was räumlicher Ton leisten kann. Sie bedeuten aber nicht, dass ein Upmixer aus jeder beliebigen Vorlage die präzisen Tonpositionen einer eigens produzierten 3D-Abmischung rekonstruieren könnte.
Die Technik kann außerdem bereits in der Produktion eingesetzt werden. Bei einer räumlichen Bearbeitung von Blues Brothers kam eine Studioversion zum Einsatz. Das ist etwas anderes, als zu Hause den Upmixer an einem AV-Receiver oder AV-Verstärker einzuschalten: Im Studio kann das aufbereitete Material weiterbearbeitet und für ein Distributionsformat vorbereitet werden.
Einstellungen, Tonquellen und künftige Lautsprecherformate
Wie viel Einfluss man auf die Auromatic hat, hängt vom jeweiligen Gerät ab. Manche Implementierungen bieten Größenstufen wie klein, mittel und groß, andere einen Zahlenregler oder eigene Voreinstellungen. Welche Bedienelemente erscheinen und wie sie heißen, entscheidet der Hersteller, der den Algorithmus integriert.
Die Stärke des Konzepts liegt auch darin, dass es nicht an eine einzige Quelle gebunden ist. Selbst ältere Monoaufnahmen lassen sich räumlich wiedergeben. Ob das im Einzelfall gefällt, sollte man mit dem eigenen Material prüfen. Gerade vertraute Musik oder ein häufig gesehener Film sind bessere Teststücke als eine beliebige Effektdemo.
Mit neuen Lautsprecheranordnungen bleibt Entwicklungsarbeit verbunden. Zusätzliche Kanäle, etwa in einer unteren Lautsprecherebene, oder sehr große Mehrkanalformate verlangen eine angepasste Verteilung der Signale. Interessant ist, was technisch möglich wird. Für das heimische Wohnzimmer zählt am Ende aber ebenso, ob sich ein solches Setup sinnvoll aufbauen lässt.
3D-Audio über Kopfhörer ist eine eigene Aufgabe

Räumlicher Klang über Kopfhörer wird häufig mit Lautsprecherwiedergabe in einen Topf geworfen. Beides kann faszinieren, funktioniert aber unterschiedlich. Kopfhörersysteme versuchen, Schallrichtungen mithilfe von Filtern und binauraler Wiedergabe zu simulieren. Manche berücksichtigen zusätzlich die Bewegung des Kopfes, damit eine virtuelle Schallquelle möglichst an ihrem Platz bleibt.
Ralph beurteilt den aktuellen Kopfhörertrend mit Vorsicht. Er untersucht, wie unterschiedliche Renderer arbeiten, und sieht vor allem bei Musik eine Schwierigkeit: Eine für Lautsprecher gemischte 3D-Produktion klingt nicht automatisch ebenso überzeugend, wenn sie nachträglich für Kopfhörer aufbereitet wird. Auch die individuelle Form von Kopf und Ohren spielt für die Wahrnehmung räumlicher Richtungen eine Rolle.
Das ist kein Argument gegen Kopfhörerproduktionen. Wird eine Aufnahme von Anfang an für diese Wiedergabe gestaltet, lassen sich erstaunliche räumliche Effekte erzielen. Man sollte nur nicht erwarten, dass dieselbe Mischung auf jedem Wiedergabesystem den gleichen Gänsehaut-Moment auslöst.
Wie lebendig das Thema immersive Musik ist, zeigt auch die Arbeit mit Alex Christensen und dem Berlin Orchestra. Das besprochene Album war bereits erschienen; zugleich blieb offen, ob eine entsprechende Veröffentlichung auf Disc für große Lautsprechersysteme folgen würde.
Der beste Test ist der direkte Vergleich
Wer wissen will, was die Auromatic im eigenen Fall bringt, sollte nicht nur nach dem größten Effekt suchen. Besser ist ein Vergleich mit vertrautem Material: Wie klar bleibt eine Stimme? Wirkt der Raum glaubwürdig? Klingt Musik noch nach der Aufnahme, die man kennt? Und was fehlt, wenn man den Upmixer wieder ausschaltet?
Genau dort liegt für uns der Reiz dieser Technik. Guter 3D-Sound muss nicht jede Sekunde „Schau, hier bin ich!“ rufen. Manchmal sorgt er einfach dafür, dass ein Konzert, ein Lied oder eine Filmszene mehr Raum und mehr Gefühl bekommt.
Auromatic selbst hören
Erleben Sie 3D-Sound mit passenden Film- und Musikbeispielen live bei GROBI in Kaarst – seit über 15 Jahren Ihr Fachhändler für Auro-3D und die Auromatic.
Heimkino geplant? Wir sind für Sie da!
Ob erste Idee oder konkrete Umsetzung – wir unterstützen Sie persönlich und mit Erfahrung.